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Die Kunst des Verwebens von Gefühl und Welt

Aktualisiert: 1. Mai





Was beschäftigt uns eigentlich heute? Im Leben? In der Kunst? Oft scheinen die Themen medial und gesellschaftlich  stark vorgegeben. Und stark gesteuert, was mit dem hohen Ansehen von kommerziellem Erfolg zu tun haben mag – man soll sich darum bemühen, glücklich und erfolgreich zu sein, und Glück und Erfolg sind als finanziell messbare Größen definiert. Ökonomische Rationalität beschneidet aber spürbar die Erfahrbarkeit der Welt – alleine schon durch den ewig vorgegaukelten Zeitmangel. Zeit und sinnliche Erlebbarkeit gehören aber wesentlich zusammen.

 

Wir haben offenbar keine Zeit, uns zu überlegen, wie wir in den aktuellen Krisen, Kriegen, bedrohlichen Umweltsituationen wie Überschwemmungen oder Dürren, desaströsen Zuständen in weiten Teilen der Produktion, vor allem der industriellen Landwirtschaft und der Erdölindustrie, überleben können, und zwar nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Wie lange gibt es dieses „heute“ noch, das wir uns auftischen lassen, konsumgerecht präsentiert? Und was wird da überhaupt präsentiert?

 

Okapi wedelt mit einem kleinen Flyer. -Hier gibt es eine inspirierende Ausstellung, die auch Spaziergänge, Virtual Reality und sogar den Duft des Urwalds anbietet.

 

Zebra schaut sich das Programm an und liest: -Klimabiennale in Wien. Klingt gut! Wann, wo? Auf dem Flyer steht: Ausstellungen im Kunst Haus und Nordwestbahnhof, außerdem Workshops und Waldspaziergänge.

 

-“Into the Woods”, der Name der Ausstellung überzeugt und spricht für sich, erläutert Okapi. -Man kann dort Visualisierungen von Düften und Botenstoffen sehen, die Bäume und andere Pflanzen im Wald aussenden. Sie stellen nicht nur Sauerstoff her, wie du weißt…

 

-Wie kann man das sehen? fragt Zebra skeptisch.

 

-Auf einem beeindruckenden Video und mit VR-Brille, mit der du wirklich den Eindruck hast, durch den Wald zu schweben… schwärmt Okapi. -Mir wird dabei fast ein bißchen schwindlig, aber auf angenehme Weise.

 

-Da steht auch noch “Songs for the Changing Seasons”, sagt Zebra mit einem Blick in den Folder.

 

-Ja, absolut empfehlenswert. Eine weitere Ausstellung am Nordwestbahnhofgelände. Nicht nur die fantastischen Vogelhäuschen, Tierskulpturen und die vielen neu angelegten Beete…

 

Kunst scheint eine der wenigen Disziplinen zu sein, die sich selbst verpflichtet, hinter die Fassaden der zur Schau gestellten, "normalen" Wohlstandswelt zu schauen. Sie nimmt vielfach die wichtige Position ein, Fragen zu stellen, vor denen viele Mainstream-Philosoph*innen leider immer noch gerne davonlaufen. Die einfach klingen, zum Beispiel: Wie leben wir in unserem Lebensraum Welt, mit anderen Lebewesen? Wie kommunizieren wir? Und wie vermitteln wir diese Fragestellungen und Beobachtungen?

 

Ansatzpunkt jeder Kunst, jeden Ausdrucks ist die Perspektive. Perspektivwechsel vom Mainstream zum Destillieren eines Augenblicks, einer Situation. Deswegen ist diese Überlegung zentral. Andere als die alltäglichen Erfahrungen - und die Erfahrungen anderer - werden durch einen veränderten Blickwinkel zugänglich. Die Perspektive ist nicht nur in der Kunst wesentlich für das Erfassen des gesamten Bildraums. Mit der bewussten Einnahme einer Perspektive kann man das Experiment versuchen, aus der Sicht anderer zu sehen. Die eigene Perspektive ist ja die „normale“ Sicht und Erfahrung von Welt, gar nicht so leicht wird sie als eine von vielen Möglichkeiten erkannt.

 

Wenn man also die Perspektive ändert, heißt das: von anderen Ausgangspunkten starten. Ein vielversprechendes Experiment. Immer wieder.




 

The art of interweaving sensitivity and the world

 

What is actually on our minds today? In life? In art? The topics often seem to be strongly predetermined by the media and society. And strongly controlled, which may have something to do with the high esteem in which commercial success is held - we should strive to be happy and successful, and happiness and success are defined as financially measurable variables. However, economic rationality noticeably curtails the ability to experience the world - if only due to the eternal illusion of a lack of time. However, time and sensory experience go hand in hand.

 

We obviously have no time to think about how we can survive in the current crises, wars, threatening environmental situations such as floods or droughts, disastrous conditions in large parts of production, especially in industrial agriculture and oil industry, not only physically but also psychologically. How long will this "today" that we are being served up, presented in a consumer-friendly way, continue to exist? And what is being presented at all?

 

Okapi waves a small flyer. -There is an inspiring exhibition here, which also offers walks, virtual reality and even the scent of the primeval forest.

 

Zebra looks at the program and reads: -Climate Biennale in Vienna. Sounds good! When and where? The flyer says: Exhibitions at the Kunst Haus and Nordwestbahnhof, plus workshops and forest walks.

 

-Into the Woods", the name of one exhibition, is convincing and speaks for itself, explains Okapi. You can see visualisations of scents and messenger substances emitted by trees and other plants in the forest. They don't just produce oxygen, as you know...

 

-And how can you see that? Zebra asks skeptically.

 

-On a great video and with VR glasses that really give you the impression of floating through the forest... Okapi enthuses. -I almost get a little dizzy, but in a pleasant way.

 

-There's also "Songs for the Changing Seasons", says Zebra with a glance at the folder.

 

-Yes, absolutely recommendable. Another exhibition at the north-west station site. Not just the fantastic birdhouses, sculptures of animals and the many newly created flower beds...

 

Art seems to be one of the few disciplines that commits itself to looking behind the facades of the "normal" affluent world on display. It often takes the important position of asking questions that many mainstream philosophers unfortunately still like to run away from. They sound simple, for example: How do we live in our habitat world, with other living beings? How do we communicate? And how do we communicate these questions and observations?

 

The starting point for all art, all expression, is perspective. A change of perspective from the mainstream to the distillation of a moment, a situation. That is why this consideration is central. Experiences other than everyday experiences - and the experiences of others - become accessible through a change in perspective. It is not only in art that perspective is essential for grasping the entire pictorial space. By consciously adopting a perspective, you can try the experiment of seeing from the point of view of others. One's own perspective is the "normal" view and experience of the world; it is not so easily recognised as one of many possibilities.

 

So changing your perspective means starting from a different place. A promising experiment. Again and again.

 

 

 

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