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Argumentationsumkehr

Nach vielen Gesprächen zu den Themen Ausbeuten, Verwenden und

Verspeisen von Tieren habe ich in meiner aktuellen Forschung eine Umkehr der Fokussierung vorgenommen, weil die Ablenkungsmanöver der Gesprächspartner*innen zwar eindeutig darauf hindeuten, dass sie sich über die Schieflage von eigener Einstellung und Handlungen im Klaren sind – Stichworte „ich esse nur sehr wenig Fleisch – und wenn dann nur bio“, „die Produktion muss sich umstellen, die Konsument*innen haben keinen Einfluss“ – aber in der Folge dazu führen, dass das eigentliche Thema immer umschifft werden kann. Als das eigentliche Thema bezeichne ich die Frage: (Warum) Ist es für dich in Ordnung, dass für dich Tiere getötet werden? Die Fragestellung konzentriert sich also nicht darauf, gegen wen die Ungerechtigkeit begangen wird, sondern von wem. Über die erhaltenen Antworten lässt sich ein Bild gewinnen, wie Rechtfertigungs-, Erklärungs- bzw. Verdrängungsmuster laufen. Denn so wird einerseits die bekannte Debatte über Unterschiede zwischen Menschen und Tieren („Nutztieren“) ausgeschaltet, die ein oft verwendetes Ablenkungsversuch bezeichnet, und andererseits kann im Auge behalten werden, dass zwar jedes „Opfer“ der Gewalt „nur“ ein einziges, persönliches Leben und Erleben hat - der Täter/die Täterin jedoch mit jedem einzelnen Ereignis Schuldgefühle anhäuft, auch wenn diese nicht reflektiert oder direkt kommuniziert werden.


Okapi wedelt mit Schwung eine Fliege von seinem Rücken. - Täter*in klingt ja schon fast kriminell, stellt es sachlich fest. - Das werden viele nicht so sehen. Schließlich haben alle das Recht auf freie Entfaltung. - Und dazu gehört die Freiheit, Leben und Lebensraum zu zerstören? will Zebra wissen. Okapi schnaubt bloß. - Ich weiß, das war ’ne rhetorische Frage. Eine solche Freiheit kann’s natürlich nicht geben. - Kann’s nicht, tut’s aber oft! meint Okapi in belehrendem Ton. - Truth is stranger than fiction, das weißt Du doch. - Das lenkt aber von der Frage nach den Schuldgefühlen ab. Ich glaube ja, dass man sich nur für etwas schuldig fühlen kann, für das man verantwortlich ist, kontert Zebra. - Das könnte sein. Wofür ist man verantwortlich? fragt Okapi mit betörendem Augenaufschlag. - Cliffhanger! grinst Zebra. Ich sage nur eins im Voraus: Verantwortung kann man aktiv übernehmen. Wenn man nicht nur beim Desaster zuschauen will und darüber jammern, was alles passiert.



Photo by Ivan Jevtic on Unsplash


Reversal of argumentation


After many conversations on the topics of exploiting, using, and devouring animals, I have reversed the focus in my current research, because the red herrings of the interlocutors clearly indicate that they are aware of the imbalance of their own attitudes and actions - keywords "I eat very little meat - and if so, only organic", "the production has to change, the consumers have no influence" - but as a consequence the real issue can always be circumvented. As the real issue I refer to the question: (Why) Is it okay for you that animals are killed for you? So the questioning does not focus on against whom the injustice is committed, but by whom. By means of the answers received, a picture can be gained of how patterns of justification, explanation or repression run. For in this way, on the one hand, the well-known debate about differences between humans and animals ("livestock") is eliminated, which denotes an often-used diversionary tactic, and on the other hand, it can be kept in mind that while each "victim" of violence has "only" one single, personal life and experience – whereas the perpetrator accumulates feelings of guilt with each individual event, even if these are not reflected upon or directly communicated.


Okapi waves a fly off its back with a flourish. - Perpetrator sounds almost criminal, it states matter-of-factly. - Many will not see it that way. After all, everyone has the right to free development. - And that includes the freedom to destroy life and habitat? Zebra wants to know. Okapi just snorts. - I know, that was a rhetorical question. There can be no such freedom, of course. - It can't, but often there is! says Okapi in a lecturing tone. - Truth is stranger than fiction, you know that. - But that distracts from the question of guilt. I believe that you can only feel guilty for something you are responsible for, Zebra counters. - That could be. What is one responsible for? Okapi asks with a beguiling look in its eyes. - Cliffhanger! Zebra grins. - I'll just say one thing in advance: you can actively take responsibility. If you don't want to just watch the disaster and whine about what's happening.

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