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  • Autorenbildsusakarr

Guilty Pleasures

Aktualisiert: 25. März 2023





Okapi tritt mit skeptischer Miene auf. -Sag mal Zebra…


Zebra hat gerade die schwarze Nase in die Sonne gehalten und sich der Wärme hingegeben. -Ja bitte? Fragt es höflich, obwohl ein leiser Unterton der Irritation über die Störung mitschwingt.


-Kannst du mir das Konzept erklären? Was sind Guilty Pleasures? Wie ich das nach meiner Lektüre verstehe – es deutet auf ein Magazin, das aufgeschlagen am Boden liegt und zählt aus der Erinnerung auf -geht es um sinnliche Genüsse, das Schwelgen in Körperlichkeit, das Schlemmen bei gutem Essen, die Hingabe an die Lust…

Zebra schaut in den Himmel, offenbar geistig abwesend.


-He, hörst du zu? fragt Okapi ungeduldig.


-Ach ja, ja, bemüht sich Zebra. -Was beschäftigt dich genau?


-Offensichtlich fängt da schon die Schuld an, wenn man der Bezeichnung folgen will. Für manche gehört auch Kaffee dazu, oder das Rauchen. Oder wenn man sich einen Film ansieht, der nicht „besonders wertvoll“ ist oder 5 Auszeichnungen erhalten hat.


Okapi schüttelt verständnislos den Kopf. -Was mich interessiert: Woher kommt dieser erste Schritt der Verdammung im Zusammenhang mit Genuss? Ist das protestantisch oder katholisch? Oder einfach nur verdreht?


Zebra scheint sich nun doch für die Frage zu interessieren. -In der Tat komisch. Also wenn man sich etwas Schönes erlaubt, ist man gleich mit einem Bein auf dem Weg in den Abgrund…

-Ich weiß nicht warum, aber mir fällt dazu eine Diskussion ein, die ich mal gehört habe. Da ging es um die Themen Verzicht und Veganismus.


Zebra grinst. -Ein Klassiker! Lass mich raten, was dann kam!

-Ich bitte darum! sagt Okapi.


-Wenn du auf Fleisch verzichtest, darfst du auch nichts essen, was so ähnlich schmeckt und nicht aus Fleisch ist. Und schon gar nicht, wenn es lecker ist. Genauso bei Käse usw.


-Hahahahaha. Sorry, lacht Okapi. -Stimmt. Kenn ich.


Zebra führt fort: Weil, wenn ich genieße, ich mich auch gleichzeitig schuldig machen muss – nach dieser Auffassung zumindest. Also wieder mal: wenn ich was Schönes habe, esse, mache… muss jemand anderer dafür leiden. Oder ich mache mich jedenfalls schuldig, weil ich genieße, statt zu leiden oder zu arbeiten…


-Die Ideologie kommt mir bekannt vor. Der alte JC, wie ein Freund sagen würde, könnte mit dem Konzept nichts anfangen, sagt Okapi. Hintergrund der Argumentation ist dabei auch noch: es ist nicht genug da, dass es allen gut gehen kann.


-Mit Schuld und Wettbewerb kann man Leute halt gut dirigieren, seufzt Zebra.

Okapi nickt gedankenversunken. -Wahrscheinlich. Das bringt aber eine politische Dimension in das Ganze.


-Ja, und das ist genau das Spannende daran. Weil ja auch die Aufforderung, vegan zu leben, eine politische ist.


-Kannst du dazu mehr sagen? fragt Okapi. -Was soll daran politisch sein?


-Naja, die Frage danach, wie man miteinander umgeht, ist eine grundsätzlich politische. Wer etwas zu sagen hat. Wer Einfluss hat. Welche Rollenbilder es gibt. Schon in der antiken Demokratie…


Okapi unterbricht: -Demokratie war das aber gar nicht in unserem Verständnis! Nur griechische Männer durften mitmachen!


-Richtig, wenn du mich ausreden lassen würdest, hätte ich genau das erwähnt: dass es ja schließlich darum geht, wer hier zu bestimmen hat. Wer ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft ist und wer nicht…


-Da sind wir einmal mehr bei der Feststellung: das Private ist politisch! sagt Okapi nicht unzufrieden.


-Da stimme ich 100% zu, sagt Zebra, und nimmt dann wieder die Pose von vorher ein. -Und jetzt genieße ich mal die Sonne.


Photo ©

©Soumen Maity, Pexels


Guilty Pleasures


Okapi appears with a skeptical expression. -Tell me Zebra...


Zebra has just held his black nose to the sun and surrendered to the warmth. -Yes, please?, it asks politely, although there is a faint undertone of irritation at the intrusion.


-Can you explain the concept to me? What are guilty pleasures? As I understand it from my reading - it points to a magazine lying open on the floor and enumerates from memory -it's about sensual pleasures, reveling in physicality, feasting on good food, surrendering to pleasure....


Zebra looks up at the sky, mentally absent, apparently.


-Hey, are you listening? Okapi asks impatiently.


-Yes, yes, Zebra tries. -What exactly is on your mind?


-Obviously, that's where the guilt starts, if you want to follow the designation. For some, coffee is also part of it, or smoking. Or watching a movie that isn't "especially valuable" or has received 5 awards. Okapi shakes iis head uncomprehendingly. -What interests me: Where does this first step of condemnation come from in the context of pleasure? Is this Protestant or Catholic? Or just twisted?


Zebra now seems interested in the question after all. -Strange indeed. So if you allow yourself something nice, you are immediately on the way to the abyss with one leg....


-I don't know why, but I remember a discussion I once heard. It was about the topics of renunciation and veganism.


Zebra grins. -A classic! Let me guess what came next!


-Go ahead! says Okapi.


-If you give up meat, you can't eat anything that tastes like it and isn't made of meat. And certainly not if it is delicious. Same with cheese, etc.


-Hahahaha. Sorry, laughs Okapi. -Right. I know it.


Zebra continues: -Because if I enjoy, I also have to make myself guilty at the same time, according to this view at least. So again, if I have, eat, do something nice... someone else has to suffer for it. Or, in any case, I make myself guilty because I enjoy instead of suffering or working....


-The ideology sounds familiar. Although this concept would not mean anything to old JC, as a friend would point out, Okapi says. -Background of the argumentation is thereby also still: there is not enough for everybody to thrive.


-With guilt and competition you can direct people well, sighs Zebra.


Okapi nods, lost in thought. -Probably. But that brings a political dimension to it.

-Yes, and that's exactly what's exciting about it. Because the call to go vegan is also a political one.


-Can you say more about that? asks Okapi. -What should be political about it?

-Well, the question of how we treat each other is a fundamentally political one. Who has something to say. Who has influence. What role models exist. Even in ancient democracy...


Okapi interrupts: -But it wasn't democracy at all in our understanding! Only Greek men were allowed to participate!


-Right, if you had let me finish, I would have mentioned exactly that: that after all it is about who has to decide here. Who is a valuable member of society and who is not...


-There we are once again with the statement: the private is political! says Okapi not at all dissatisfied.


-I agree 100%, says Zebra, and then resumes the pose from before. -And I'm going to enjoy the sun now.





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