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  • susakarr

Noch berechtigt oder schon achtsam?

Aktualisiert: 2. März

- He Zebra, alle reden ja immer von der Spaltung der Gesellschaft. Was sagst Du dazu?


- Ich mag solche Pauschalisierungen nicht so gerne. Kommt außerdem drauf an, was damit gemeint ist, sagt Zebra und zwinkert. - Philosophisch gesprochen, wie Du mich kennst.


- Ja ja, sagt Okapi mit einem ungeduldigen Schnaufen. -Ich mach das aber jetzt mal weniger akademisch hier und frag Dich nochmal konkret. Ich beobachte so unterschiedliche Tendenzen wie Anspruchsdenken und Mindfulness. Viele leben im westlichen Fortschrittskosmos in dem man sich einfach nimmt, was man erwischt. Egal ob es vielleicht jemand anderem gehört hat. Oder ob da wer anderer wohnt. Mit dieser Einstellung hat man Anspruch auf alles, egal ob es riesige Häuser sind, die Tieren den Lebensraum nehmen und Menschen den Wald und die Wiesen. Oder man kauft ständig neue Sachen, elektronische Gadgets wie Handys oder Computer, oder Klamotten. Nur so als Beispiel. Oder man verreist und lässt es sich dort gutgehen, wo andere ums Überleben kämpfen.


- Ist das eine Kolonialismus-Kritik? fragt Zebra.


- Mit der Idee von Kolonialismus kann man das gut erklären, stimmt Okapi zu. Wenn das überlegene weiße Menschenwesen irgendwo hinkommt, gehört ihm selbstverständlich alles. Das nenne ich Anspruchsdenken.


- Und wo siehst Du dann Mindfulness? will Zebra wissen


- Überall! Bei ganz vielen Menschen. Das ist vielleicht das Mindset, wenn sie über das Anspruchsdenken ein bisschen hinauskommen und schauen, was eigentlich so alles passiert durch das „normale“ menschliche Verhalten. Es ist zwar nicht schön, sich mit solchen unliebsamen Geschichten zu beschäftigen, weil sie sich dann selbst vom eingebildeten Podest stürzen müssen. Aber das Ergebnis ist oft, dass sie sich verantwortlicher fühlen und verhalten. Und das bringt auch mehr Verbundenheit mit sich und anderen Lebewesen. Sie möchten ja nicht völlig sinnbefreit und ferngesteuert leben.


- Du findest das also nicht esoterisch?


- Um einen Kollegen zu zitieren: „Das sind doch bürgerliche Kategorien!“, erwidert Okapi und lacht leise. - Einfache Überlegungen wie: „was mache ich mit meinem Leben, mit meiner Zeit, meiner Energie?“ führen zum Hinterfragen des täglichen Lebens. Plötzlich beginnen sie zu überlegen, was wichtig ist. Vor allem, seit das Ausgehen eingeschränkt ist und sie lieber nach draußen gehen. Spazieren. Vögel beobachten. Oder nach innen gehen, in andere Welten eintauchen, über ihre kleinen egozentrischen Vorstellungen hinaus. Und dann mögen sie den entfremdenden Alltagstrott nicht mehr. Dann brauchen sie nur noch den Mut, Dinge anders zu machen.


- Nur noch, Du sagst es, meint Zebra.


- Ja, ich habe mich entschieden, mich mehr auf konstruktive Geschichten zu konzentrieren und positiven Ereignissen mehr Raum zu geben. Und ich probiere aus, ob der Pygmalion-Effekt funktioniert: wenn man von Menschen das Beste erwartet, erfüllen sie die Mindesterwartungen, heißt es. Positive Erwartungen beeinflussen das Verhalten positiv. Mesnchen wollen diesem Niveau entsprechen. Okapi deutet mit einer Kreisbewegung um seinen Kopf einen Heiligenschein an.


Zebra überlegt. - Klingt interessant. Erinnert mich an einen coolen Spruch von bell hooks: „Die Praxis der Liebe ist das stärkste Gegenmittel gegen die Politik der Herrschaft.“


- Probieren kann man’s mal, meint Okapi leichthin.


Photo by Ioana Kortis on Unsplash


Still entitled or mindful already?


- Hey Zebra, everyone is always talking about the division of society. What do you think?


- I don't like generalizations like these too much. It also depends, says Zebra and winks, -on what is meant by it. Philosophically speaking, as you know me.


- Yes, yes, says Okapi snorting impatiently. - I'll make this less academic here and ask you again specifically. I observe such contradictory tendencies as a sense of entitlement on the one hand and mindfulness on the other. Many live in the western cosmos of progress in which one simply takes what one catches. No matter if it belongs to someone else. Or whether someone else lives there. With this attitude they are entitled to everything, no matter if it is huge houses that take away the habitat of animals. Or destroy the forest and the meadows, also for the people. Or they buy new things constantly, electronic gadgets,cell phones, computers, or clothes. Just as an example. Or they travel and enjoy themselves where others are struggling to survive.


- Is that a critique of colonialism? asks Zebra.


- The idea of colonialism is a good way to explain it, agrees Okapi. When the superior white human being gets somewhere, everything belongs to them, of course. That's what I call entitlement thinking.


- And where do you see Mindfulness then? Zebra wants to know.


- Everywhere! In a lot of people. Maybe that's the mindset, when they get a little bit beyond the sense of entitlement and look at what actually happens through “normal” human behavior. It is not nice to deal with unpleasant stories like these, because then they throw themselves off the imaginary pedestal. But the result is, more frequently, that they feel and behave more responsibly. And that also brings more connectedness with themselves and other living beings. They don't want to live completely meaningless and remote-controlled.


- So you don't find this esoteric?


- To quote a colleague: “These are bourgeois categories!” Okapi replies and laughs softly. - Simple contemplation, “what am I doing with my life, with my time, with my energy?”, leads to questioning of daily life. Suddenly they start to think about what's important. Especially since going out is restricted and then they prefer to go outside. Going for a walk. Bird watching. Or going inside, immersing themselves in other worlds beyond their small self-centered ones. And then they don't like the alienating daily grind anymore. Then all they need is the courage to do things differently.


- All they need! Tell me about it! repeats Zebra.


- Yes, I have decided to focus more on constructive stories and give more space to positive events. And I'm trying out if the Pygmalion effect will be occurring: when you expect the best from people, they meet the minimum expectations, they say. Positive expectations influence performance positively. People want to meet that level. Okapi indicates a halo with a circular motion around its head.


Zebra ponders. - Sounds interesting. Reminds me of a cool saying by bell hooks.

"The practice of love is the most powerful antidote to the politics of domination."


- You can try it, Okapi says lightly.

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