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Kopf in den Sand

  • Autorenbild: Aurelia Pangolini
    Aurelia Pangolini
  • vor 7 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit


-Hey Zebra, du schaust ja wirklich verschlafen drein - eher wie ein Murmeltier, sagt Okapi zur Begrüßung. Im Gegensatz zu Zebra, das schläfrig in die Sonne blinzelt, ist es frisch und munter. -Du weißt natürlich, dass ich Murmeltiere ganz toll finde, das ist also keine Beleidigung.

 

Zebra wiegt den Kopf hin und her. -Naja, dann glaub ich das mal. Murmeltiere schlafen aber besser als ich. Und sie müssen auch nicht zu einer bestimmten Zeit aufstehen.

 

-Da kann ich dir weiterhelfen. Ich habe den ultimativen Trick gefunden. Okapi macht eine geheimnisvolle Pause.

 

Nichts passiert.

 

-He, du könntest mich schon fragen, was der Trick ist.

 

-Ach so, ja, natürlich, was ist denn der Trick? Zebra bemüht sich sichtlich um mehr Körperspannung.

 

-Du wirst es nicht glauben, das Geheimrezept ist simpel: einfach den Wecker ausschalten.

 

-Das soll ein Trick sein? Was machst du denn, wenn du einen Termin hast?

 

-Ich habe keine Termine. Ich kümmere mich nur um mich selbst und mache mir die Welt schön.

 

-Verblüffend, sagt Zebra. -So kenne ich dich gar nicht.

 

-Ich mich auch nicht, ich weiß auch noch nicht, wie lange ich das durchhalte.

 

-Wie bist du überhaupt darauf gekommen – ich meine nicht nur den Wecker, sondern nur auf dich zu schauen?

 

-Reine Beobachtung. Das Leben ist einfacher, wenn man Dinge ignoriert, die einen stören. Oder, wenn das nicht geht, redet man sie sich schön.

 

-Aha. Hast du ein Beispiel?

 

-Mehrere. Ein aktuelles: eine Freundin hat mir erzählt, dass die Grenzwerte für Schadstoffe im Wasser einfach nach oben gesetzt wurden, weil das Wasser die kritischen Werte überschritten hatte. Jetzt ist das Wasser nicht mehr durch Schadstoffe belastet. Praktisch, oder?

 

Zebra schnaubt.

 

-Oder: Die EU fördert mit Steuergeldern Betriebe, die das Klima schädigen. Solche, die aus toten Tieren so genannte „Lebensmittel“ machen. Oder: Es gibt auch Länder, wo Forschungen einfach nicht mehr unterstützt werden, zum Beispiel zum Klimawandel. Den gibt es dann einfach nicht mehr, haha!

 

-So wird man alle Probleme los! spöttelt Zebra.


-Ich kann dich beruhigen, meine Überlegungen, ob diese rosa Brille schadet oder nicht. Ich glaube, ich werde meine Probephase nicht verlängern.


-Ist das eigentlichTeil einer Recherche?


-Du hast mich durchschaut. Ich forsche gerade zu diesem Phänomen. Arbeitstitel: Kopf in den Sand.


Zebras Miene erhellt sich. -Ich bin froh, dass du doch noch deinen eigenen Kopf hast. Fast hätte ich geglaubt, dass du das ernst meinst.


-Als Experiment ist es natürlich spannend, aber auch gefährlich! Aber eine Zwischenbilanz habe ich schon. Es ist momentan in, am eigenen Ast zu sägen.


-Wissen das die Leute?


-Ich denke, einige wissen es, und es werden noch mehr.


-Bin neugierig auf die Forschung.




Head in the Sand



-Hey Zebra, you look really sleepy – more like a marmot, says Okapi by way of greeting. Unlike Zebra, who is squinting sleepily in the sun, Okapi is fresh and lively. -You know, of course, that I think marmots are fabulous, so that’s not meant as an insult.


Zebra nods its head back and forth. -Well, I’ll take your word for it. But marmots sleep better than I do. And they don’t have to get up at a certain time either.


-I can help you with that. I’ve found the ultimate trick. Okapi pauses mysteriously.

Nothing happens. -Hey, you could at least ask me what the trick is.


-Oh, yes, of course, what’s the trick? Zebra visibly tries to tense its body more.


-You won’t believe it, but the secret recipe is simple: just turn off the alarm clock.


-You call that a trick? What do you do when you have an appointment?


-I don’t have any appointments. I only take care of myself and make the world beautiful for myself.


-Amazing, says Zebra. -I don’t recognise you at all.


-Neither do I, and I don’t know how long I can keep this up.


-How did you even come up with that – I don’t just mean the alarm clock, but just looking at yourself?


-Pure observation. Life is easier when you ignore things that bother you. Or, if that’s not possible, you talk yourself into liking them.


-I see. Can you give me an example?


-Several. A recent one: a friend told me that the limits for pollutants in water were simply raised because the water had exceeded the critical levels. Now the water is no longer contaminated with pollutants. Practical, isn’t it?


Zebra snorts.


-Or: The EU uses taxpayers’ money to subsidise businesses that harm the climate. Businesses that turn dead animals into so-called ‘food’. Or: There are also countries where specific research is no longer supported, for example on climate change. Then it simply no longer exists, haha!


-That’s how you get rid of all problems! Zebra sneers.


-I can reassure you about my thoughts on whether these rose-tinted glasses are harmful or not. I don’t think I’ll be extending my trial period.


-Is this actually part of some research?


-You’ve seen right through me. I’m currently researching this phenomenon. Working title: Head in the Sand.


Zebra’s expression brightens. -I’m glad you still have a mind of your own. I almost believed you were serious.


-As an experiment, it’s exciting, of course, but also dangerous! But I’ve already come to some preliminary conclusions. It’s currently fashionable to saw off the branch you’re sitting on.


-Do humans know that?


-I think some humans know, and more will find out.


-I’m curious about the research

 
 
 

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